Freelance-Market-News 02/2026

Liebe Leser,
Die Freiberuflerbranche steht auch 2026 vor zahlreichen Herausforderungen. Drei davon werden wir in diesen News vertiefen.
Zum einen werfen wir einen kritischen Blick auf die Deutsche Rentenversicherung und ihr Statusfeststellungsverfahren. Interne Dokumente deuten darauf hin, dass öffentliche Auftraggeber bei der Scheinselbstständigkeitsprüfung bevorzugt behandelt werden – ein Vorwurf mit erheblichen Konsequenzen für die Transparenz und Gleichbehandlung im Verfahren. Hier lohnt sich für alle Betroffenen eine genaue Lektüre.
Zum anderen beschäftigen wir uns mit dem Thema Produktivität. Wie arbeitet man als Freiberufler eigentlich am effektivsten? Forscher haben eine überraschende Antwort gefunden: Nicht die Arbeitszeit, sondern der richtige Rhythmus entscheidet. Mit dem 52/17-Modell stellen wir eine Methode vor, die Konzentration und Leistung nachweislich steigert – und dabei auch noch zeigt, wie man trotz vollgepackter Tage produktiv bleibt.
Des Weiteren analysieren wir die Veränderung der Nachfrage am Freelancer-Markt 2026. Eine Forbes-Studie zeigt, dass verallgemeinerte Services unter Druck stehen, während spezialisierte KI-Freelancer einen Boom erleben. Wer als generischer „Experte" unterwegs ist, konkurriert mit tausenden anderen. Wer sich aber beispielsweise als „KI-Workflow-Consultant für Automatisierung in FinTech" präsentiert, kann Premium-Stundensätze verlangen.
Wie immer stellen wir auch in dieser Ausgabe wieder einen unserer eingetragenen Anbieter vor – dieses Mal einen Produktionsingenieur aus Calw, der sich auf CAD-Zeichnungen spezialisiert hat. Und wir haben auch wieder einen Witz für Sie, der diesmal das Leben von Freiberuflern mit Kindern im Homeoffice humorvoll auf den Punkt bringt.
Ich wünsche Ihnen auch diesmal viel Vergnügen beim Lesen und natürlich wie immer gute Geschäfte!
Ihr Rainer Kurz
Freiberufliches Statusfeststellungsverfahren: Bevorzugt die Rentenversicherung staatliche Auftraggeber?
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) gerät durch aufgetauchte interne Papiere unter Druck. Die Unterlagen legen nahe, dass die Behörde bei der Prüfung von Scheinselbstständigkeit offenbar unterschiedliche Maßstäbe anlegt – je nachdem, ob private Unternehmen oder staatliche Institutionen wie Ministerien oder Bundestagsabgeordnete beteiligt sind.
Den Dokumenten zufolge, die der Berliner Zeitung vorliegen, sollen Fälle, bei denen der Staat der Auftraggeber ist, besondere Koordinierungswege durchlaufen. Interne Markierungen, die sogenannte „K-Lasche“ (Koordinierungsfälle), deuten darauf hin, dass diese Vorgänge “gesondert” behandelt und später aus Akten entfernt werden. Für private Auftraggeber existiert ein solcher Zusatzschritt nicht.
Konkret sieht die DRV bei öffentlichen Aufträgen eine verpflichtende Rücksprache mit dem zuständigen DRV-Bereichsmanager vor. Dieser zusätzliche Abstimmungsprozess ist nach Angaben von Marcel Misch vom IT-Beratungsunternehmen Alopeke GmbH, kein Teil des allgemeinen Koordinationsverfahrens, sondern ein eigenständiger interner Prozess.
Diese Vorgehensweise widerspricht offenbar den Richtlinien des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), dass 2024 in einem Schreiben erklärte, dass es für ein Statusfeststellungsverfahren unerheblich sei, "ob Beteiligte dem öffentlichen Dienst zuzuordnen sind" oder nicht.
Schwerer wiegt auch der Vorwurf einer Fachanwältin für Sozialrecht, wonach die DRV Akten vor der Herausgabe an Betroffene oder Gerichte bereinigt. „Wenn interne Vermerke vor Versendung der DRV-Akte an Anwälte oder das Gericht entfernt werden, fehlt eine vollständige Aktenlage“. Diese Praxis sei „rechtsstaatlich höchst problematisch und rechtlich angreifbar“.
Das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) prüft die Vorwürfe. Die DRV selbst hält sich bislang bedeckt. Auf Anfrage wurde lediglich mitgeteilt, dass die Beantwortung von Presseanfragen aufgrund mehrerer Großveranstaltungen derzeit schwierig sei.
Diese Vorgehensweise wirft grundsätzliche Fragen zur Transparenz und Gleichbehandlung bei der DRV auf. Bleibt die DRV in ihrer Praxis undurchsichtig, dürfte das Vertrauen in das Statusfeststellungsverfahren weiter sinken.
Gastartikel von Thomas Geiling: Machen Sie öfter einmal eine Pause
Forscher haben den Schlüssel zu mehr Produktivität entdeckt. Der klassische Acht-Stunden-Tag mit einer halben Stunde Mittagspause ist dabei nicht unbedingt zielführend.
Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie am Ende eines Tages total geplättet sind und trotzdem das Gefühl haben, als hätten Sie den ganzen Tag so gut wie nichts erledigt? Möglicherweise liegt das an Ihrem Arbeitsrhythmus.
Forscher der lettischen Draugiem Group haben untersucht, wie Menschen am produktivsten und effektivsten arbeiten. Mithilfe der Zeiterfassungsapp DeskTime haben sie gemessen, wie viel Zeit die Probanden vor dem Bildschirm verbringen, wie viel Zeit sie für bestimmte Aufgaben verwenden und wann sie sich ablenken (lassen). Anschließend wurden die Leistungen miteinander verglichen.
Das Ergebnis: Die Tages- und Wochenarbeitszeit hatte kaum einen Einfluss auf die Produktivität. Auf den Rhythmus kommt es an!
Wichtiger als die Anzahl der gearbeiteten Stunden war die richtige Aufteilung von produktiven Phasen und Pausen. Probanden, die sehr regelmäßig kurze Pausen einlegten, waren deutlich leistungsfähiger als andere Mitarbeiter, die mehrere Stunden am Stück durcharbeiteten. Sie hatten ein höheres Konzentrationslevel und ließen sich deutlich seltener von ihrer Arbeit ablenken. Sie landeten seltener auf Facebook oder überprüften kurz ihre E-Mails.
Der ideale Rhythmus: 52 Minuten Arbeit und anschließend 17 Minuten Pause.
Dabei war es wichtig, dass die Probanden wirkliche Pausen einlegten. Sie saßen nicht am Schreibtisch und surften auch sonst nicht im Internet. Stattdessen gingen sie spazieren, lasen, aßen oder plauderten mit Kollegen. Der Arbeitsrhythmus 52/17 entspricht am ehesten der natürlichen Arbeitsweise des menschlichen Gehirns, das Phasen hoher Konzentration und Regenerationsphasen abwechselt. Nach rund einer Stunde ermüdet das Gehirn und die Leistung nimmt ab.
Forbes-Studie: Welche Freiberufler-Skills 2026 gefragt sind
Die Freiberuflerbranche dürfte sich 2026 zunehmend in eine Phase der strukturellen Neuordnung begeben. Während das Gesamtprojektvolumen seit 2022 kontinuierlich rückläufig ist, verschärfen sich gleichzeitig die Anforderungen an Spezialisierung und technologische Expertise.
Dies führt laut Forbes zu einer Zweiklassen-Marktstruktur: Generalistisch tätige Freelancer haben unter Preisdruck zu kämpfen, während spezialisierte Fachkräfte weiter mit wachsender Nachfrage rechnen können.
Ein Freelancer, der sich als "Marketing-Experte" vermarktet, hat massive Konkurrenz und kämpft um Preiserhöhungen. Hingegen kann ein Freelancer, der sich als "B2B-Content-Stratege für Fintech-Unternehmen zur Erhöhung von Conversion-Rates" positioniert, Premium-Tarife durchsetzen.
Die Forbes-Studie konnte beispielhaft einige aufstrebende Freelancer-Rollen identifizieren, die explizit KI-Expertise nutzen:
• AI Workflow Consultants, spezialisiert auf Automatisierung von Unternehmensprozessen: mit Stundensätzen im Premium-Segment.
• Content-Editing für KI-generierte Inhalte: Schnell wachsender Markt zur Humanisierung maschinell erstellter Texte.
• SEO und Answer Engine Optimierung (eine neue Disziplin zur Optimierung für KI-Suchmaschinen und LLM-Integration).
Auch eine Studie von Salesfully konnte einige hochbezahlte Nischen im Marketingbereich identifizieren:
• AI Workflow-Optimierung.
• UX/Product Design mit Fokus auf Konversion und Kundenbindung.
• B2B-Content-Strategie in Verbindung mit Umsatzsteigerung.
• Spezialisierte Paid-Media-Manager.
• Datenanalyse und Bau von Dashboards.
Auffällig ist hier, dass die meisten Rollen einen direkten Return-on-Investment-Bezug haben. Unternehmen zahlen eine Prämie, wenn der Freelancer nachweisbar Umsatz generiert, Kosten reduziert oder Risiken minimiert.
Artikel unserer Freiberufler: CAD-Systeme für 2D- und 3D-Zeichnungen
Eingetragene Dienstleister können sich mit einem Artikel im Freelance-Market-Newsletter kurz vorstellen. In dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen unseren Anbieter Nr. 837 aus Calw, der als Produktionsingenieur bei uns gelistet ist.
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Angespannte Auftragslagen, zeitweilige personelle Engpässe im Produktions- oder Konstruktionsbüro sowie wirtschaftliche Gesichtspunkte veranlassen Unternehmen zunehmend, sowohl Konstruktionsaufgaben als auch das Erstellen von technischen Zeichnungen und Dokumentationen außer Haus an selbstständige Ingenieurbüros zu vergeben.
Diesem Trend folgend, arbeite ich bereits mehrere Jahre vorrangig mit kleineren und mittelständischen Unternehmen zusammen. Bei Engpässen im Konstruktionsbüro kann ich Ihnen daher kurzfristig helfen.
Meinen Facherfahrungen entsprechend habe ich mich auf die Konzeption und Projektierung von Betriebs- und Fertigungsanlagen sowie auf die Entwicklung und Konstruktion von Ausrüstungen für die Fertigungstechnik spezialisiert.
Mit ausgereiften CAD-Systemen wie AutoCAD, erstelle ich sowohl 2D- als auch 3D-Zeichnungen. Im Bedarfsfall kann auch ein Datenaustausch zu den gängigen CAD-Systemen erfolgen.
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